"Vom ausgesprochenen und einverleibten Glück" - Vernissage

»Glück« ist ein vielschichtiger Begriff, sagt das Lexikon. Er schließt momentane bis anhaltende,
friedvolle bis ekstatische Gefühle ein. »Glück« kann als »innerlich empfundener Zustand«, aber auch als
»äußeres günstiges Ereignis« eintreten, so die weitere Wortbedeutung aus dem Lexikon. Diese Glücksdefinitionen
lassen weder eine starke Einengung noch eine starre Reduktion auf eine umfassende eindeutig gültige Definition des
Terminus »Glück« zu. Der Begriff und das Gefühl »Glück« scheinen nur individuell definierbar.

Diese Erfahrung machte auch die Münchner Künstlerin Karolin Bräg (*1961), als sie im Sommer eine Woche lang
20 Zwiegespräche führte, in denen sie von verschiedenen Menschen persönliche Auskünfte zum Thema Glück erhielt.
Kurze schriftliche Aufzeichnungen dienten der Künstlerin als Gedächtnisstützen. Aus diesem Basismaterial wurde im
Anschluss das wesentliche Konzentrat der Zitate aufgeschrieben. Die Sätze sind dadurch zwar anonymisiert, aber sie
behalten eine existenzielle, emotional sehr tiefgehende und berührende Dimension, die dem Leser Teilhabe ermöglicht.

Sonja Alhäuser (*1969), die in Berlin wohnt, verwendet als künstlerisches Ausdrucksmittel die Zeichnung und wählt
als Ansatz, Vermittlerin ihrer eigenen, gleichfalls sehr individuellen Glücksbotschaften zu sein. Die gezeichneten Inhalte,
welche chronologische Abläufe darstellen und Geschichten andeuten, liegen letztlich auch auf einer erzählerischen
Ebene. Mit den Bildgeschichten, die auch ein Glückskeks-Rezept zeigen, lädt die Künstlerin die Betrachtenden
zum Mitmachen ein. Die Bilder müssen wie bei Bräg ›gelesen‹ werden, damit man sie versteht.

Das ausgesprochene Gück, welches Karolin Bräg durch die geführten Gespräche anbietet, ist keine leichte Kost für
unser Gehirn. Aber auch das gezeichnete Glück von Sonja Alhäuser verlangt von den Betrachtenden Aktivität ab. Die
Glücks-Ingredienzen müssen zusammengetragen und zubereitet werden, bevor sie einverleibt werden können. Und es
bleibt zu befürchten: weder die Glücksgedanken noch der Glücksgeschmack halten lange vor.
[Text: Ilonka Czerny]

www.sonjaalhaeuser.de
www.karolin-braeg.de

Begrüssung & Enführung: Dr. Ilonka Czerny, Fachbereichsleiterin Kunst der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Sprechkunst: Peter Gorges

Datum: Mo, 21. Oktober 2019, 19.30 Uhr

Ort: Tagungszentrum Hohenheim, Paracelsusstr. 91, 70599 Stuttgart

zurück zur Terminübersicht